Stimmen

tangentequattro16-04

 

Klangvoller Brückenbau

Ein schöner Anblick, ein überzeugender akustischer Eindruck: So präsentierten sich zum 13. Brückenkonzert im Sächsischen Landesgymnasium für Musik am 1. Juni Schüler und ehemalige Schüler gemeinsam mit dem Tango »Oblivon« von Astor Piazzolla. Zwischen den Mitgliedern des Tangente Quattro waren drei Klarinettisten, die sich noch in der Ausbildung befinden, malerisch gruppiert. Damit bestätigte sich wiederum auf das Anschaulichste die Grundidee der »Brückenkonzerte«, nach der Ehemalige und heutige Schüler nicht nur getrennt ihre Stücke darbieten, sondern auch vereint musizieren. Wenn nicht organisatorische und zeitliche Gründe dagegen sprächen: man wünschte sich mehr solche gemeinsamen Auftritte!

[…]

Mit dem Tangente Quattro – Streichquartett Dresden war der musikalische Stil des Abends vorgegeben. […] Sie begannen sogleich mit einer fünfsätzigen Suite »Culai« des russischen Komponisten Lev Zhurbin nach Zigeunermelodien, ließen berühmte Klänge aus der Filmmusik »Spiel mir das Lied vom Tod« von Ennio Morricone oder aus Gershwins »Porgy an Bess« ertönen. Auch die Zugabe, »Sir Duke« von Stevie Wonder, passte ins Bild. Zu allen Werken waren interessante Bearbeitungen nötig; zwei davon hat der Cellist verfertigt. Es geht um nichts weniger, als die vertrauten Sounds für den klassischen Quartettklang aufzubereiten. […] Gleichviel, die Absicht der Musiker ging auf, dass ein an den Streichquartettklang gewohntes Publikum Freude an der mitunter schrägen, temperamentvollen Darbietung hatte.

[…] Es war denn auch eine gute Idee, […] Blasinstrumente […] dem Streichquartett zuzugesellen. Piazzollas Tango »Oblivon« hätte gern noch länger sein dürfen…
05.06.2017 Reiner Zimmermann in musik-in-dresden.de zum Konzert im Sächsischen Landesgymnasium für Musik, Dresden

 

Von Gubaidulina bis Piazzolla
[…] Diffiziler zeigte sich der Anfang [des Konzertes] mit »Tangente Quattro«, […] das als Streichquartett mit wunderschönen Klängen ungarische bis amerikanische Musik vorstellte. Hervorragende Arrangements wurden bestens vorgetragen, kurze Moderationen eingefügt und das Programm ließ Musik der Zigeuner (auch in der gekonnten Musizierlaune) aufleben und führte bis zu Gershwin und wohl am stärksten beeindruckend von Astor Piazzolla. Das lockere Spiel, ein bisschen mystische Abdunkelung beim Auftritt zeigte jene Theatralik, die Effekt macht und an die französische Truppe »Le Quatour« erinnert. Der folkloristische Sweet-Ton des Abends und der Piazzolla-Sound waren wohl der stärkste Kontrast zu den Klangexperimenten von Sofia Gubaidulina und zeigte die Breite der Musik von heute.
14.10.2016 Friedbert Streller in musik-in-dresden.de zum Kammerabend der Staatskapelle Dresden in der Semperoper

 

Zugegeben, begegnet mir das Wort „Streichquartett“ dann fabriziert mein Hirn fast schon schablonenartig eine Vorstellung davon, was nun musikalisch zu erwarten wäre. Dies ist übrigens nichts Schlechtes, rein gar nicht. Ich denke an hochqualifizierte Musiker, welche mindestens ihr Handwerk verstehen und wahrscheinlich sogar mit beinahe schon beängstigender Professionalität hochkarätige Werke der ganz großen Komponisten interpretieren.
Mit dieser Vorstellung liege ich auch bei Tangente Quattro nicht falsch. Doch wurde ich quasi noch eines Besseren belehrt. So ein Streichquartett – und nun möge man mir einen derartigen Jargon bitte verzeihen – kann wirklich grooven. Es ist mir ein bisschen peinlich, mich nun eines solchen schnöden Anglizismus zu bedienen, doch bin ich der Meinung, dass ein Solcher kurz und knapp auszudrücken vermag, was ich sonst auf drei Seiten mittels diverser Metapher versuchen müsste zu erklären.
Ganz klar ist es die Auswahl der Werke und Komponisten, die dies ausmacht, aber es ist darüber hinaus die Spielweise. Ein traumhaftes Unverkrampft sein seitens der vier Musiker, welches mir Freude bereitet, wie sonst die Musik von Stevie Wonder (von welchem sie übrigens während des Dienstagssalon am 27.05.14 in Hellerau ein Stück als Zugabe zum Besten gaben).
Darüber hinaus spielten sie Werke von Komponisten wie Wynton Marsalis oder Philip Glass, ein Repertoire, welches gleichermaßen spannend ist, so wie es auch für pure Verzückung sorgt.
Dieses Streichquartett muss man sich nicht zwingend in klassischer Konzertatmosphäre vorstellen. Es würde einen auch locker unter freiem Himmel in den Bann ziehen. Ganz klar ein musikalisches Vergnügen erster Güte.

Max Rademann
In Erinnerung an den Dienstagssalon am 27.05.14 im Festspielhaus Hellerau.